Mittwoch, 1. Oktober 2008

Bibellese

Mit der Bibel durch die Woche

Einige Gedanken zum Wochenspruch 23. – 29. 8. 2009, 1.Petr. 5,5

Als meine Frau und ich am Sonntag (23.8.) in Korea ankamen, da lautete der Spruch für die vor uns liegende Woche: Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

Eigentlich hätte ich mir ein Wort mit mehr Zuspruch gewünscht fuer den Anfang in Seoul. Es ist ein Satz aus einem Seelsorgebrief, den der Apostel Petrus an die Gemeinden in Kleinasien schrieb: „..den Fremdlingen in der Zerstreuung, die erwählt sind…..in ihrem Leiden, ….in der Verfolgung….haltet rein eure Seelen…“

Dieser Satz aus 1. Petr. 5,5 ist ein plakativer, moralischer Satz, der öfter von Fundamentalisten zitiert wird - in ihrem Schwarz-Weiß-Denken: da die Guten, dort die Bösen, da die Gläubigen, dort die Nichtgläubigen.

Ich denke, so einfach gestrickt ist die Welt nicht, so einfach gestrickt sind wir Menschen nicht. Es gibt nicht einfach auf der einen Seite die Hochmütigen und auf der anderen Seite die Demütigen. Wir Menschen verkörpern beides in uns: das Hochmütige und das Demütige.

Dietrich Bonhoeffer schrieb im Gefängnis das Gedicht: Wer bin ich? „Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest wie ein Gutsherr aus seinem Schloss. …..Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle…“ …..Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlicher wehleidiger Schwächling?“

Beim Wort Hochmut kommt uns schnell die Assoziation: Hochstapler, Schauspieler. Der spielt was anderes als das was er ist, er spielt eine Rolle, er ist nicht authentisch.

Eine recht negative Deutung in unserer heutigen Sprache hat auch das Wort: Demut. „So klein kann man doch Menschen nicht machen“ oder: „So soll man nicht gerade von uns Christen denken, die wir den aufrechten Gang von unserm Gott geschenkt bekommen haben.“

Man hat Menschen auch in der Kirche gedemütigt. In unserem wunderschönen Gesangbuch gibt es auch Verse wie: „….ich bin viel zu wenig zu rühmen seinen Ruhm, der Herr allein ist König, ich eine welke Blum…“

Ich mag an dem alten Wort Demut, dass da von Mut die Rede ist. Den Mut, dass ich mich nicht größer machen muss als ich bin – und sicher auch nicht kleiner. Aber so klein dann doch, dass neben mir noch andere wachsen und leben können. Das braucht schon Mut. Früher nannte man diesen Demut. Heute kenne ich kein besseres Wort dafür.

Wenn ich meinen Lebensweg zurückverfolge, sehe ich Menschen vor mir, die solchem Mut, solcher Demut ein Gesicht gegeben haben. Sie waren mir Wegweiser, weil sie „weg – Weiser“ nämlich „von – sich – weg – Weiser“ waren. Sie haben auf einen anderen verwiesen: auf Gott und seinen Christus.

Vor Gott bin ich nicht nur eine welke Blume – vielmehr ein einzigartiger, unverwechselbarer Mensch neben anderen Menschen, die die gleiche Berufung haben wie ich. Zu dieser Lebenseinstellung gehört Mut.

Dietrich Bonhoeffer sagte es in seiner Gefängniszelle so: „Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“